Die Dakota Pipeline – Indianerstämme kämpfen für die Rechte ihrer Vorfahren

Proteste gegen die Dakota Access Pipeline Bild: © cool revolution [CC BY-NC-ND 2.0] - Flickr

„Wir bleiben, bis sie die Pipeline stoppen. Und sie sollen ihre Maschinen und ihre Leute gleich mitnehmen. Hier gibt es nichts zu verhandeln.“

Und sie haben es geschafft! Die Indianer vom Stamm der Standing Rock Sioux protestierten Monate lang, um eine Pipeline zu stoppen, die durch für sie heiliges Land verlaufen soll.1 Was mit kleinen Plakaten zu Gebetskreisen begann, entwickelte  sich durch die Unterstützung verschiedener anderer Stämme, Umweltaktivisten, schwarzen Bürgerrechtler, Priester und Rabbiner zu einem friedlichen Protest-Camp. Zuletzt bekamen sie weitere Verstärkung durch Veteranen aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan. Zu ihren Gegnern gehören nicht nur ein amerikanisches Energieunternehmen, sondern ebenfalls eine Reihe von Banken, darunter auch die Bayern LB.2

Es ist das größte indianische Protestcamp der letzten hundert Jahre. Die Indianer fürchten, dass ein Leck in der Pipeline ihre Lebensgrundlage auf einmal zerstören könnte. Außerdem gibt es Streit um Landrechte wegen eines umstrittenen Vertrags mit den Indianern aus dem Jahr 1851. Abseits der Zivilisation sind sie auf die Wasserreservoirs angewiesen – doch es geht um mehr als das. Es geht ihnen um ihr Land und die letzte Ruhestädte ihrer Vorfahren. Unweit des Flusses richteten die Soldaten 1863 ein Blutbad an, welches als „Whitehall-Massaker“ bekannt ist und das Leben hunderter Indianer forderte. Viele von ihnen fanden hier Grabstätten, die nach dem indianischen Ritus nicht gestört werden dürfen.

Vor kurzem eskalierte die Situation, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und scharfem Wind setzten die Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer ein. Bis zum 5. Dezember hätte das Areal geräumt sein müssen. Der Grund: schwere Schneestürme würden die Protestler gefährden. Doch die Indianer wollten nicht aufgeben.3 Parallel zu den körperlichen Repressionen überziehen die Behörden die Demonstranten mit einer Welle von Klagen. Hunderte wurden festgenommen, mussten erniedrigende Ganzkörperdurchsuchungen über sich ergehen lassen und orangefarbene Overalls tragen. Während die großen US-Medien den Konflikt lange ignorierten, landeten auch mehrere Journalisten von engagierten linken Medien in North Dakota vor Gericht.2

Neben dem Unternehmen Energy Transfer Partner aus Texas, Erbauer der Ölleitung, sind ihre Gegner auch eine einflussreiche internationale Gruppe von 17 Banken. Zu diesen zählt unter anderen auch die Bayern LB: Die Bayerische Landesbank hat rund 120 Millionen Dollar zur Projektfinanzierung beigesteuert. Ende dieses Jahres hätte die 1900 Kilometer lange Pipeline fertig gestellt werden können. Dann könnten pro Tag etwa 80 Millionen Liter, rund 500.000 Fass Öl, aus dem Fracking-Ölfeld Bakken in North Dakota durch South Dakota und Iowa und über eine schon vorhandene Pipeline in Illinios zu Raffinerien in Texas gepumpt werden. Fast alle zuständigen Behörden hatten dem 3,7 Milliarden Dollar schweren Projekt zugestimmt, deshalb schätzten sich Banken auf der sicheren Seite.4

Heute gab das U.S. Army of Corps of Engineers bekannt, dass der Betreiberfirma keine Genehmigung für den Bau des letzten Teilabschnitts erteilt wird. Stadtdessen soll nun nach einer Alternativroute gesucht werden. Dazu soll zuerst ein neues Umweltgutachten erstellt und die Bewohner der Region dürfen sich dazu äußern. Die Route wird künftig also weiter nördlich verlaufen. Dagegen könnte Donald Trump sich aber aussprechen, denn der Multimilliardär hatte zuvor selbst in das Projekt investiert.

Die Sioux forderten nun von Obama, die Gegend als Nationaldenkmal zu erklären – damit wären sämtliche Bauarbeiten und Eingriffe verboten. Zu diesem Schritt konnte sich der scheidende Präsident allerdings nicht durchringen. Dennoch können die Protestler einen großen Erfolg feiern. Klar ist auch, die Sioux werden nicht aufgeben, ihr Land zu verteidigen und für ihre Lebensgrundlage und ihre Vorfahren zu kämpfen.1

  1. Süddeutsche Zeitung: Dakota-Pipeline vorerst gestoppt; Artikel vom 5.12.16 [] []
  2. taz: Gekommen, um zu bleiben; Artikel vom 1.12.16 [] []
  3. Deutschlandfunk: Indianer-Proteste gegen Pipeline; Die Zeit wird knapp; Artikel vom 30.11.16 []
  4. Süddeutsche Zeitung: Ein Indianerstamm legt sich mit der Bayern LB an; Artikel vom 1.12.16 []

Über Zoë / earthlink

Ich bin Zoë und habe dieses Jahr die Schule mit dem Abitur beendet. Vor meinem Studium möchte ich mich hier sozial engagieren und mehr über entwicklungspolitische Hintergründe erfahren. Als Bundesfreiwillige freue ich mich earthlink für 6 Monate begleiten zu dürfen!
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