Die Zerstörung von Awá-Schutzgebieten durch Herbizidbesprühung geht ungehindert weiter

Awa, Regenwald

Lebensraum des Awa-Volkes im Südwesten Kolumbiens | Bild: © Bernhard Henselmann - earthlink e.V.

Die kolumbianische Regierung unter Juan Manuel Santos brüstet sich in der Öffentlichkeit gerne mit der Behauptung, sich verstärkt für die Belange der indianischen Völker in den Regenwaldgebieten einzusetzen. Doch nun prangert die Stammesgemeinschaft der Awá-Indianer in einem dramatischen Appell an die Behörden die systematische Zerstörung und Vergiftung ihres Lebensraums an. Sie wirft der Regierung in Bogotá Doppelmoral und Rechtsbruch vor, da sie – trotz anderweitiger Versprechungen – ohne Vorwarnung weite Flächen ihrer Schutzgebiete aus Flugzeugen mit Entlaubungsmitteln besprühen lässt. Bei den betroffenen Gebieten soll es sich  allein in der letzte Woche um „Alto Albi“, „Inda sabaleta del municipio de Tumaco“, „Alto Ulbí Nunalbí del municipio de Barbacoas“, „La brava“ und „Peña la Alegría del municipio de Tumaco“ gehandelt haben.

Hintergrund ist die Strategie der Regierung in der nationalen Drogen- und Terrorismusbekämpfung. Da sich die linksgerichtete Guerillabewegung „FARC“ teilweise durch den Anbau und Verkauf von Kokapflanzen und Schlafmohn im kolumbianischen Dschungel finanziert, wird seit Jahren versucht, diese Plantagen mithilfe von unverhältnismäßig großen Mengen des Herbizids „Glyphosat“ zu vernichten. Dies zerstört jedoch nicht nur die Plantagen der Rebellen, sondern vergiftet auch dauerhaft den Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten.1

Auch wegen der weit grassierenden Korruption in der kolumbianischen Armee werden immer wieder absichtlich die falschen Gebiete besprüht – deshalb werden zusätzlich zahlreiche Awá-Schutzgebiete in Mitleidenschaft gezogen. Die Folgen für den Volksstamm sind katastrophal. Laut Stammesgemeinschaft vergiftete das Herbizid ihre Trinkwasserbrunnen und ihre Felder. Chronische Atemwegserkrankungen und tote Kinder und Jugendliche sind zu beklagen, das Erbgut der Betroffenen ist nachhaltig geschädigt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung im weitentfernten Bogotá den Hilferuf der Awá-Indianer wahrnimmt und ihren Worten auch endlich Taten folgen lässt. Es wäre aber nicht das erste Mal, wenn diese ungehört verhallen würden.

  1. Süddeutsche: kokain-produktion zerstört den regenwald – 12.9.2013 []

Über Fritz / earthlink

Ich bin 23 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Zwecks Berufsorientierung absolviere ich gerade ein 6-wöchiges Praktikum bei Earthlink e.V.
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